Adriaquerung

Finster war es rund ums Boot als wir um 18:10 die kleine, schuetzende Bucht von Ubli auf der Insel Lastovo verlassen. Unter Deck ist alles verstaut, eine Thermoskanne, gefuellt mit heisser Maissuppe steht im Spuelbecken, eine zweite Thermoskanne ist mit heissem Tee befuellt. Eine lange, kalte Nacht wartet auf uns.

Nachdem wir Lastovo nun hinter uns haben, an Deck alles Notwendige versorgt ist – auch Eric ist gut versorgt – gehe ich unter Deck um nicht auszukuehlen und natuerlich damit die Katzen nicht alleine sind. Randy fuehlt sich unterwegs sichtlich wohler, wenn einer von uns ihm Gesellschaft leistet, Summer ist ne coole Socke, die „braucht“ uns nicht. Ausser, wenn es wirklich ungemuetlich wird, dann sind beide Katzen froh, wenn sie einen Schossplatz bekommen.

Eric ist mit der Pinne beschaeftigt, ich vertreibe mir die Zeit mit den Katzen unter Deck bis zum geplanten Schichtwechsel. Unser geliebter Taylors gibt sein Bestes, die Temperatur steigt jedoch nicht ueber 17°C. Eine Aussentemperatur wissen wir leider nicht, jedoch ist sogar Eric gut warm eingepackt, Fleece ist hier wirklich hilfreich. Ich habe unter dem Oelzeug noch meinen 3mm Neopren-Tauchanzug an, damit es mir nicht auf die Nieren oder Beine zieht. Mein Oelzeug ist ja Second-Hand und etwas zu atmungsaktiv fuer meinen Geschmack.

Um 21:00 ist Schichtwechsel.

Kurz vorher gehe ich raus, eine kleine Lagebesprechung und Eric verschwindet runter um sich aufzuwaermen und ein wenig zu Ruhen. Finster ist es immer noch, wenig ueberraschend, ich weiss, wollte es nur noch mal erwaehnt haben. Nun muss ich ein paar Stunden Ruder gehen, also Kurs halten und Ausschau halten. Wir sind kurz vor internationalen Gewaessern, hier geht auch die Schifffahrtsroute fuer „die Grossen“ durch, da sollte ich immer rechtzeitig ausweichen. Sonst ist es wohl nicht nur finster, sondern auch gleich nass. Wobei wir mit unserem AIS gesehen werden (AIS steht fuer Automatic Identification System, damit sehen wir andere Schiffe auf unserer Anzeige und werden von den Anderen gesehen)
Trotz AIS will man es natuerlich nicht drauf ankommen lassen. Es ist extrem schwer, ich wuerde sogar sagen unmoeglich in kompletter Finsternis die Distanz zu einem Licht in der Ferne (oder eben Naehe) einzuschaetzen. Nachdem hier natuerlich weder Gebirge, noch Gebaeude im Weg sind, sind andere Schiffe schon von Weitem zu erkennen.

Ein einziges Mal kommt mir eine Faehre verdaechtig nahe, Ausweichmanoever ist natuerlich schon laengst im Gange, aber das dauert ja auch alles am Wasser wesentlich laenger, als man es von der Strasse kennt. Prinzipiell ist alles ruhig (und finster, nur falls ich es noch nicht erwaehnt habe 😉 )

Gegen 22:00,

Eric liegt inzwischen unter der Decke auf der Bank, heult der Motor ploetzlich auf. Nachdem ich die Beine nicht mal in der Naehe von unserem Gas/Schalthebel hatte, kann ich auch nicht angekommen sein. Der Motor bruellt, die Geschwindigkeit erhoeht sich deutlich, es raucht aus dem Auspuff in dichten Schwaden, ich kann am Hebel machen was ich will, es aendert sich nichts. Scheisse.

Ich trommle auf den Niedergang, kurz darauf steckt Eric den Kopf heraus. Ich rufe ihm zu, er soll sofort den Motor stoppen. Gesagt, getan. Unter Deck ist auch Rauch, allerdings vom Ofen, der Motor hat so viel Luft angesaugt, dass der Rauch nicht durch das Ofenrohr raus, sondern zurueck hineingezogen wurde. Luken auf, Motorraum auf, lueften, mal zur Ruhe kommen und Fehler suchen. Ich bin mit den Nerven am Ende, mir ist elendig kalt und ich koennte heulen. Mitten in der Nacht, mitten auf der Adria, mitten in der Schifffahrtsroute – manoevrierunfaehig. Kein Motor, kein Wind. Mein (vorlaeufiger) Worst Case ist gerade eingetreten. Dieses Mal ist Eric derjenige der ruhig bleibt, scheinbar funktionieren wir da als Team wirklich gut, wenn Einer flucht, bleibt der Andere ruhig. Meistens bin ich entspannter, heute ist Eric an der Reihe.

Motorproblems

Motorproblems

Nachdem wir etwas abgewartet haben wirft Eric einen Blick auf unseren Motor. Der kleine Saukerl, also der Motor, hatte in den letzten Wochen mehr Zuneigung erfahren als in den letzten 30 Jahren, aber fuehrt sich so auf… Zum Verzweifeln. Eine Feder ist gebrochen, vom Gaszug – deswegen auch keine Reaktion auf den Hebel. So ein Dreck. Klarerweise schaukelt Tiki inzwischen durch die Wellen und wird ordentlich durchgeschuettelt. Rund um uns ist es stockfinster, wir sehen nicht einmal die Wellen die uns da so durchbeuteln. Es ist, als wuerde es ausserhalb von Tiki nichts mehr geben. Das macht es nicht leichter, sondern im Gegenteil etwas beaengstigender.

Eric hat die zuendende Idee

Er improvisiert mit einem Stueck Draht und wir koennen mit nun fixierter Drehzahl den Motor wieder in Betrieb nehmen. Der Gashebel ist nun nutzlos, aber wir koennen wieder manoevrieren und Kurs halten. Ueber eine Stunde ist vergangen. Ich bin ein Nervenbuendel, Eric uebernimmt wieder die Pinne und schickt mich schlafen. Unter Deck hat es inzwischen nur mehr 8°C also bleibe ich in meinem Tauchanzug und ziehe nur das Oelzeug aus. Gut zugedeckt und mit beiden Katzen unter der Decke komme ich wieder zu Ruhe und doese wohl recht bald weg. Eric laesst mich netterweise laenger doesen als mir zusteht. Doch um 3:30 weckt er mich um zu tauschen. Schnell steige ich ins Oelzeug, gehe an Deck und haenge mich in die Rettungsleine ein. Noch ein kurzes Gespraech und Eric kuschelt sich unter die noch warme Decke zu den Katzen und schlaeft sofort ein.

Den ersten Lichtschimmer am Horizont kann ich gegen 5:30 erahnen. Nun dauert es auch nicht mehr lange bis die ersten Umrisse von Italien auftauchen, dann vereinzelte Fischerboote – es wird wieder Tag, Land ist in Sicht, ich bin erleichtert.
Nachdem Eric etwas spaeter seinen Kopf wieder rausstreckt und wir feststellen, dass wir die Rolle Doppelkekse in der Nacht aufgegessen haben, wollen wir uns ueber die Maissuppe hermachen. Darauf freue ich mich schon seit wir losgefahren sind.

Was soll ich sagen, heute ist einfach der Wurm drin, die Maissuppe hat sich im Spuelbecken verteilt. Durch das Schaukeln in der Nacht duerfte sich der Deckel geloest haben. Das auch noch. Keine warme Suppe. Nur Tee und eine Kleinigkeit zum Essen.

 

Schlepphilfe

Nach unserem duerftigen Fruehstueck rufe ich in der Marina del Gargano in Manfredonia an. Nachdem unser Motor nun nur noch binaer ist, an oder aus, muessen sie uns schleppen. Kein Problem versichert man uns, wir sollen uns rechtzeitig auf Kanal 74 melden, sie schicken uns dann Dario im Schlauchboot raus, er zieht uns dann rein.

Um 12:30 ist es dann soweit, in wenigen Minuten brauchen wir Dario und das Schlauchboot. Ein kurzer Funkspruch und Dario erscheint etwa zehn Minuten spaeter. Die ersten Meter muss er noch etwas gegen die Wellen ankaempfen, aber kurz darauf sind wir im geschuetzten Becken der Marina angekommen. Uns wird noch beim Festmachen geholfen, Andrea erkundigt sich, ob wir irgendetwas brauchen und entschuldigt sich, weil der Steg nicht sauber ist. Wir muessen lachen, aktuell ist Moewendreck unsere geringste Sorge 😀 .
Wir bringen noch schnell unsere Schiffspapiere in das Buero der Marina. Im Anschluss gehen wir in eines der wenigen offenen Lokale und essen die schlechtesten Pommes die wir jemals hatten. Dafuer sind Besteck und Glaeser aber auch gut staubig. Fuer das Gedeck bekommen wir 2 EUR verrechnet. Die Rechnung koennen wir erst nicht zahlen, weil man uns nicht rausgeben kann. Nach einigem Hin und Her koennen wir dann doch mit der Karte bezahlen, gehen zurueck auf Tiki um einzuheizen und etwas zu schlafen. Jetzt kann es ja fast nur mehr besser werden!

21. Dezember 2017

Wir haben es geschafft, wir haben die Adria gequert und sind in Italien angekommen. Geschichten aus Manfredonia kannst Du bald im naechsten Beitrag lesen.

 

AIS

ManfredoniaTiki

ManfredoniaTiki

Wer uns auch mal mit Hilfe von AIS suchen moechte, unsere MMSI-Nr.: 203 229 400, die koennt ihr auf Seiten wie Vesselfinder, Marinetraffic oder in der FindShip-App eingeben. Achtung, die Position stimmt in der Online-Version nicht immer. Derzeit zB sind wir in Manfredonia/Italien, als Standort wird Online aber immer noch Korcula angezeigt. Schiff zu Schiff sieht immer die aktuelle Position, wenn wir unterwegs sind.

 

 

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4 thoughts on “Finster wars, eine Neumondnacht

  1. Hallo liebe Astrid! Das ist ja klasse, dass Du die Seite auch in englisch hast! Möchte ich auch lanfgristig. Hast Du jeden Beitrag übersetzt und alles genau gespiegelt von der deutschen in die engl. Seite? Welches plugin benutzt Du dafür (kostenfrei? Fkt. es gut?).

    Danke Dir für die Infos!
    Sirit von Textwelle.

    1. Hallo Sirit,
      freut mich, dass es Dir gefaellt 🙂
      Ja, ich uebersetze jeden Beitrag einzeln. Seit der Blog zweisprachig mach ich es immer sofort. Die alten Beitraege nach und nach.
      Ich schick Dir ein Mail mit den Details, wuerde hier den Rahmen sprengen. Und dann besuch ich Deine Seite 😉
      Lg
      Astrid

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